Freitag, 3. Juni 2011

Ach übrigens:

ein Feedback wäre toll: egal ob auf dem Mailwege oder direkt hier.

Danke sehr!

Fritz Heidenreich aus Bromberg / Schlesien

Vor einiger Zeit bekam ich eine Fotopostkarte mit einem eigentümlichen, an einen Gradeflieger erinnernden Flugzeug und seinem Piloten darauf. Unterschrieben war das Bild mit "Heidenreich Eindecker". das sagte mir erstmal gar nichts. Nach einigen Tage erinnerte ich mich, das im Oberschlesischen Landesmuseum in Ratingen im letzen Jahr eine Ausstellung namends "Adler über Schlesien" gezeigt wurde, dort stand auch eine Informationstafel mit Daten über Fritz Heidenreich. Zusammen mit den Daten, die ich aus den Büchern "Die Alten Adler" von Willi Hackenberger und der "Deutschen Fluggeschichte" von Peter Supf Band 1 zusammengesammelt habe, ergibt sich folgender Lebenslauf:

Fritz Heidenreich wird am 24.11.1872 in Bromberg / Schlesien geboren. Er ergreift den Mechanikerberuf und ist als Amateur-Radrennfahrer erfolgreich. Im Jahre 1892 gründet er zusammen mit seinen Brüdern einen Fahradhandel in Breslau. Erste Versuche mit Gleitflugapparaten führen ihn 1908 an die Hänge von Nippern im Kreis Neimark/Niederschlesien. Um 1909 konstruiert und baut er seinen Eindecker, der mit einem "Deutschen Anzani Typ" (Weiland & Gildemeyer Motor 25/30 PS * ) ausgestattet wird, welcher eine Holzschraube von 1,8 m Durchmesser antrieb. Das Gesamtgewicht der Maschine war 150 kg (!), wovon der Motor 80 kg war. Das Flugzeug war ca. 7 mtr. lang und verfügte über eine Tragfläche von ca. 20m³.  Auf diesem Eindecker erfüllt Fritz Heidenreich am 23.09.1910 in Breslau die Vorraussetzungen für eine Fluglizenz, er bekommt seinen F.A.I Ausweis mit der Nummer 28. Da Heidenreichs Flieger ein rein Deutsches Produkt war, bekam er aus dem Fördertopf von Heinrich Lanz den 5. "Lanzpreis", dotiert mit 1.500,- Mark zugesprochen. Sein Flugapparat war wohl aufgrund seines schwachen Motors nur zu kürzeren Flügen geeignet.
Das Bild zeigt den zweiten Eindeckerentwurf von Heidenreich welcher durch einen Vierzylinder Grade Motor mit 40 PS angetrieben wurde.Es war ein luftgekühlter Zweitaktmotor mit Magnetzündung, die 2,0mtr. messende Holzschraube war direkt auf die Motorachse befestigt.Das Gesamtgewicht der Maschine betrug170 kg.
Diese zweite Maschine von Heidenreich ist 'inspiriert' von den Grade Eindeckern aber sicherlich auch von der Demoiselle von Santos-Dumont.Mit diesem Baumuster nahm Heidenreich an verschiedenen inländischen Flugveranstaltungen in den Jahren 1910 und 1911 teil. ( Nationale Berlin-Johannisthaler Flugwoche 1910 sowie der Deutsche Rundflug 1910 und 1911).



Fritz Heidenreich ist Mitbegründer des schlesischen Flugsportclub in Breslau. Er betreibt einen in der Freiburger Strasse 21 einen Fahrradgrosshandel und stellt unter dem Markannamen "Aero" selbst Fahrräder her. In 1937, gerade mal 65-jährig, verstirbt Fritz Heidenreich.



(* Weiland & Gildemeyer, Motorenfabrik, Essen a.d. Ruhr, Rellinghauser Straße 70, Automobil- und Aero- Material en gros liefern als Spezialität Flugmotore Type 25/30 PS. Vermutlich basiert das Triebwerk(ohne Lizenz) auf den berühmten Anzani Dreizylinder in W-Form)

Der Artikel wurde am 05.06.2011 geändert, nachdem ich weitergehende Informationen von Kees / Varese 2002 aus dem Flugzeug Forum erhalten habe. Vielen Dank dafür.

Der Artikel wurde am 04.08.2017 erweitert, nachdem neue Informationen zum weiteren Leben Heidenreichs aufgetaucht sind.

Montag, 23. Mai 2011

1000. Aufrufe

Vielen Dank für 1000 Aufrufe dieses Blogs! Da mir durchaus bewusst ist, das es sich bei der Fliegerei der Frühzeit durchaus um ein Nischenthema handelt, freut es mich um so mehr das bereits nach 2 Monaten die 1000er Schallmauer durchbrochen wurde.

Donnerstag, 28. April 2011

Nachtrag Bruno Hannuschke...


Durch einen Zufall fiel mir dieses Bild von der späteren Frau Hanuschke in die Hände, Thora Sjöborg hat als Flugschülerin bei Melli Beese fliegen gelernt, ist aber wohl nie zur Prüfung angetreten. Vor einigen Tagen bekam ich das Heft "Das Küken vom alten Startplatz" aus der Dokumentenreihe über Flieger am Flugplatz Berlin Johannisthal, www.johflug.de . Die Herren Alexander Kauther und Peter Wirtz haben hier wirklich ganze Arbeit geleistet, ich werde mir wohl noch weitere Exemplare aus der Dokumentenreihe bestellen.

Donnerstag, 21. April 2011

Auf der Suche nach einem weiteren "Alten Adler": Nikolaus Kurtscheid

ca.1912

Bei den Recherchen für einen anderen Flieger stiess ich auf die Person Nikolaus Kurtscheid, einen Flugpionier der aus Rheinbrohl am Rhein stammte und hier am 05.Januar 1879 geboren wurde. Kurtscheid war Ingenieur und im Zeitraum Herbst 1911 und durch das Jahr 1912 Betreiber einer Flugschule im Münster am dortigen "Flugplatz", dem ehemaligen Truppenübungsplatz Loddenheide. Bekannt ist, das die Ausbildung eher "Theoretisch" erfolgte, Kurtscheid besaß am Anfang wohl kein eigenes Flugzeug. Er erwarb am 03.11.1911 in Bork in der Mark bei Grade sein Flugzeugführerzeugnis mit der Nummer 132, flog ab dem Zeitpunkt wohl auch mit einer eigenen Grade "Schwalbe".

Grade "Schwalbe" anlässlich einer Flugvorführung 1934, am Flugzeug Hans Grade selbst
Es ist bekannt, das Nikolaus Kurtscheid am 2. Sonntag im Mai 1912 (also am 12.05.1912) den ersten Flugtag in der Region Hamm / Westfalen abhielt, auf "Ermelingshofs Wiesen". Die Stadt Hamm hat ihm wohl kein anderes Gelände zur Verfügung stellen können. Ermelings Hof ist ein Rittergut in Hamm-Bockum, Ortsteil Hövel.
Aus einer anderen Quelle erhielt ich die Information, das Kurtscheid am 21.04.1914 in Hamm auf einer Flugvorführung den Tod fand.

Wer kann helfen, bzw. hat nähere Angaben?

Nachtrag vom 18.08.2017:

Auszug aus der Adressenliste der deutschen Flugführer (ausschliesslich der Militärflieger)
April / Juni 1914:

- Nicolaus Kurtschied, Münster i.W., Bremer Str. 60

Sonntag, 10. April 2011

Bruno Hanuschke, ein Flugpionier


Seit einiger Zeit sammle ich Daten und Bilder der sogenannten "Alten Adlern", also den Flugzeugführern vor dem ersten Weltkrieg . Hierzu möcht ich immer mal wieder etwas ins Netz stellen, die Texte stammen aus eigener Feder. Ich verwende für die Recherce diverse Bücher wie zB. "Schwerer als Luft" von Schwipps, "Deutsche Fluggeschichte" Teil 1&2 von Peter Supf, "Als die Oldtimer flogen" von Dr.Günther Schmidt, diverse Werke von Heinz Novarra und natürlich das Standardwerk "Die Alten Adler" von Willi Hackenberg und diverse andere Bücher und natürlich das Internet mit seinen Quellen wie Wikipedia, das "Aerodrom" Forum usw.

Hier nun etwas über den jungen Bruno Hanuschke:


Hanuschke, Bruno, * 12.03.1892 in Tegel bei Berlin, † 23.03.1922 in Davos . Heiratet später Tora Sjöborg (Schwedin).
Er kam Anfang 1910 Siebzehnjährig nach Johannisthal und beschäftigte sich mit dem Bau eines Doppeldeckers, der allerdings niemals flog. Erst sein Eindecker „Populaire I“ flog selbstständig, er war mit einem 25-PS Dreizylinder Anzani Motor ausgestattet. Dieses Flugzeug verfügte über einen verstellbaren Metallpropeller, der bei Versuchen prompt das Schuppendach durchschlug. Mit diesem Flugapparat erwarb er als 18jähriger am 8.10.1910 die Flugzeugführererlaubnis Nr. 35 des Deutschen Luftfahrer-Verbandes. Er gründete eine Flugschule und baute in seiner Werkstatt in Laufe des Jahres 1912 den Populaire II, eine Weiterentwicklung seines ersten Eindeckers mit einem 80 PS Gnome Rhone Umlaufmotors. 1913 baute er einen weiteren Eindecker, eine Kopie des französischen Morane-Saulnier H den er auf einer Flugzeugausstellung in Paris abgezeichnet und vermessen hatte. Hanuschkes Eindecker war erfolgreich, er  konnte davon 30 Stück verkaufen. Allein 6 Maschinen wurden Marinefliegern abgenommen, wo die Eindecker Sicherungsaufgaben an den Zeppelinhallen übernahmen. Eine nicht näher bestimmte Anzahl der Flugzeuge wurde auf dem Balkan bis 1918 verwendet. Die Morane wurde ebenfalls von Anthony Fokker kopiert, der seine Version allerdings erst in 1914 zum Fliegen brachte. Fokker war der bessere Kaufmann, er brachte seine "M5" bei den Fliegertruppen an den Mann und stach Hanuschke damit aus. Welches Potental der Entwurf hatte, bewies Fokker mit der EI bis EIV, den ersten deutschen Jagdflugzeugen. Hierzu hatte Fokker die Unterbrechersteuerung weiterentwickelt, die es ermöglichte durch den Laufenden Propeller schießen zu können. So konnte Fokker das erste reine Jagdflugzeuge im Herbst 1915 an die Fliegertruppe liefern, Asse wie Immelmann, Boelcke, Althaus und viele andere waren mit den Maschinen den alliierten Fliegern so überlegen das diese von einer „Fokkerplage“ an der Westfront sprachen.

Eine Begebenheit ist überliefert: als Hanuscke seinen  Eindecker Populaire II 1912 fertiggestellt hatte, wurde er von Fokker angesprochen ob er das Flugzeug einfliegen solle; Hanuschke nahm an und der findige Holländer, der zu der Zeit ein bekannter Kunstflieger am Johannisthaler Flugplatz war, testete den Neubau. Fokker war nicht nur Kunstflieger, sondern auch Hanuschkes Konkurent um Flugschüler so daß das Ergebnis des Probefliegens vorhersehbar war: Motorschaden, Pech für Bruno Hanuschke...

Eine Teilnahme an folgenden Flugveranstaltungen Hanuschkes  ist dokumentiert:
-          Nationale Flugwoche Berlin-Johannistahl, 09.-16.10.1910,
-          Deutscher B.Z. Preis der Lüfte, 11.06.-10.07.1911, Preisgeld 1.397,- Mk.  
-          Schwäbischer Überlandflug,  10.-18.09.1911, Preisgeld 536,- Mark, Gesamtflugstrecke 214 km                      
-          Flugwoche Berlin Johannistahl, 24.09.-01.10.1911, Preisgeld 1.143,- Mk, Gesamtflugzeit 4 Std. 17 Min.
-          Krupp-Flugwoche (Essen), 04.-11.08.1912, Preisgeld 2.337,- Mk.
-          Aeroplan-Turnier Gotha, 16.-19.08.1912, Preisgeld für Manöverübungen zwischen Luftschiff und Aeroplan: 1.300,- Mk.
-          Berliner Herbstflugwoche, 29.09.-06.10.1912
-          Am 31.10.1912 meldete der Polizeipräsident von Berlin, der Flieger Hanuschke sei längere Zeit über dem Neuen Palais gekreist und habe in der Nähe einen Lorbeerkranz zur Erde fallen lassen, wodurch die Sicherheit der Allerhöchsten Herrschaft gefährdet worden sei. Das Überfliegen fürstlicher Schlösser und Gärten wurde deshalb am 19.1.1913 verboten.
-          Stundenflug um den Preis der Nationalflugspende: 08.03.1913, Preisgeld 1.000,- Mk.
-          Frühjahrsflugwoche Johannisthal, 25.5.- 1.6.1913, bei der Bruno Hanuschke auf seinem Eindecker hinter Felix Laitsch den zweiten Platz belegte. 

Hanuschkes Fliegerschule und Flugzeugbauwerkstatt konnte sich in Johannisthal bis Sommer 1914 halten und soll im Ersten Weltkrieg Flugzeugteile hergestellt haben. Nach dem Krieg hat sich Hanusche von der Fliegerei zurückgezogen.
Er starb am 23.03.1922 30-jährig an einer Lungenerkrankung (Lungenschwindsucht) in Davos / Schweiz.
Bruno Hanuschke vor seinem Schuppen in Johannisthal.
Populaire II


Der neue Entwurf mit 80 PS Gnom-Rhone Motor

Hanuschke EI bei den Marine-Fliegern